Beobachtungen verknüpfen
von Elisabeth Michel-Alder
Letzte Woche legte der Verband WeAdvance den Finger auf ein grosses Malaise: Viele Frauen mittleren Alters, sie kamen in Scharen, erfahren sich als gut qualifiziert, aber unterbeschäftigt und unterfordert. Qualified, but underiused lautete der Titel der Veranstaltung. Personaldaten grosser Unternehmen bestätigen den Befund: Keine Bewegung, keine Entwicklung, kaum Perspektiven für ü50. Die Arbeitskräfte stecken fest im Job, mit dem sie nach rund 20 Jahren Arbeit liiert sind. Teilzeitbeschäftigte mit Aufbruchideen nach der Familienphase trifft diese Stagnation besonders hart; ihre Ausbildung nährt andere Erwartungen.
Am Wochenende meldete sich Arbeitgeberpräsident Severin Moser mit einer weiteren Attacke auf Lifestyle-Teilzeit zu Wort. Die Fachkräfte sollen endlich 5 Tage pro Woche an die Säcke. Um sie aus Lehnstuhl oder Bikesattel zu locken, schlägt er Einkommenssteuer-Senkungen vor. Gern stelle ich mir vor, Herr Moser hätte sich mit den unterforderten Advance-Frauen an einen Tisch gesetzt und vielversprechende Strategien entwickelt. Ergebnis könnten Massnahmen und Konzepte für die zweite Berufsweghälfte sein, die in Unternehmen attraktive berufliche Perspektiven und neue Aufgabenbündel für Erfahrene in die Praxis umsetzen. Spannende Jobs wecken und nähren Engagement weit wirksamer als ein leicht höherer Kontostand. Dieser ist eine angenehme Nebenerscheinung. Erfüllende Arbeit bindet und ist eine echte Alternative zum blauen Montag.
