Faire Entlöhnung in der 3. Halbzeit
von Elisabeth Michel-Alder
Eine verzwickte Frage stellt mir die Chefin eines KMU: Monatelang hatte sie die Nachfolge einer 64jährigen Frau mit funktional wichtigem Job gesucht. Erfolglos; keine ernstzunehmende Bewerbung trotz Suche auf verschiedenen Kanälen. Was lag schliesslich näher, als die bewährte Mitarbeiterin in eine Verlängerung einzuladen? Sie zu einem späteren Eintritt ins Rentnerinnen-Dasein zu bewegen? Die Fachfrau zeigte sich nicht abgeneigt, überlegte, sagte zu - allerdings verbunden mit der Forderung nach höherem Lohn. Seit vielen Jahren - so die Begründung - hätten die monatlichen Überweisungen stagniert, länger wolle sie ihre Arbeit nicht mehr zu billig verkaufen. Die Chefin reagierte perplex, verärgert und dachte an Erpressung. Immerhin misstraute sie ihren Gefühlen und holte eine Zweitmeinung ein.
Ja, ist diese Forderung beim Einbiegen in die freiwillige Verlängerung okay oder unfaires Ausnutzen einer Notlage? Ich verstehe beide Seiten. Nach sieben Jahren Lohnstagnation (und top Leistungsbewertung) ist mein Verständnis für die engagierte Fachfrau allerdings ein My grösser.
