Soziale oder (nur) finanzielle Sicherheit?
von Elisabeth Michel-Alder
Begriffe wandeln sich im Lauf der Zeit; manche dehnen sich aus, andere verengen ihren Bedeutungsradius. Aktuell denkt, wer von sozialer Sicherheit spricht, an AHV, IV, ALV oder die Krankenkassen. An Renten, an Geld. Das ist eine bedrohliche Engführung. Die tragenden gesellschaftlichen Strukturen und Beziehungen fürs Bewältigen von Lebensrisiken rutschen aus dem Blickfeld. Weil viele Menschen sich aus persönlichen Verbindlichkeiten befreien wollen?
Klar, existenzsichernde Finanzmittel sind eine unverzichtbare Ressource. Doch Zuwendung, Zugehörigkeit, Fürsorglichkeit, sich gemeinsam nach der Decke strecken und Ziele erreichen, im Austausch über sich hinauswachsen, Ermutigung, Resonanz, Inspiration... alles nicht käuflich, nur im Austausch erhältlich. Diese zweite Ressource für soziale Sicherheit ist genau so wichtig. Dafür, dass sie sprudelt, sind im Lauf des Lebens noch ganz andere Aktionen und Akteure gefragt.
